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Hallo,
2017 hab ich ja hier schon mal meinen
Transporterausbau vorgestellt, der sich in den letzten Jahren auch ganz gut bewährt hat.
Unser Komfortanspruch brachte es allerdings mit sich, dass wir eine Menge Geraffel mithatten und das Einrichten unseres Standorts im Fahrerlager immer mehr Zeit brauchte, bis wir quasi bettfertig waren.
Wir werden auch älter und der Komfortanspruch wächst noch weiter und so kam immer wieder der Gedanke nach vorn, das Auf- und Abbauen im Fahrerlager wesentlich zu vereinfachen und zu verkürzen.
Verschiedene Szenarien (größter Sprinter mit erhöhter zGG., 10-12-Tonner Caravan mit Heckgarage, Sattelschlepper an Transporter, Wohnmobil + Anhänger, Wohnanhänger usw.) wurden in verschiedene Richtungen durchüberlegt und aus verschiedenen Gründen (Platzbedarf, Wohnsituation (Park- und Wendemöglichkeit), Praktikabilität, Flexibilität usw.) wieder verworfen.
Am Ende blieb die Idee, den (dann neuen) Sprinter für Strassenevents wieder so ähnlich wie oben auszubauen, da der ja auch immer mal wieder weiterhin geschäftliche Transporte erledigen muss und zum Wohnen und Transportieren von weiteren Motorrädern (bsw. bei kombinierten Strassen- und Rennstreckenevents) einen Kofferanhänger auszubauen mit reichlich Zuladung.
Die Wahl fiel dann auf einen Koffer-Hochlader mit 100er-Zulassung, kleinen Rädern (für bequemeren Einstieg und passende Gesamthöhe) mit den Innenmaßen von ca. 4,15 m x 2,20 m x 2,05 m (LxBXH). zGG ist 2700kg. Größer wäre für mich unpraktisch gewesen, weil er so für den Umbau den Winter über fast komplett unter mein Carport passte, dessen Einfahrt ich dafür allerdings etwas erhöhen musste

. Der Koffer hat ab Werk eine Seitentür und das Reserverad. Sonst nix. Die vorhandenen groben Zurrschienen im Koffer habe ich rausgebaut.
Ich habe eine 3-Raum-Wohnung (WC, Schlafzimmer, Küche/Werkstatt/Garage) darin eingebaut. WC natürlich wegen dem Komfortgedanken. Küche und Schlafraum wollen wir getrennt haben, um einerseits Gerüchen vorzubeugen, andererseits ggf. unterschiedlichen Schlafzeitgewohnheiten Rechnung zu tragen.
Das Schlafen im Stockbett hatte sich im oben genannten Transporterausbau schon sehr gut bewährt, bringt es doch viel Platzgewinn.
Beide Betten sind (ohne Matraze) im Bedarfsfalls komplett flach an die Wand klappbar. Über jedem Bett gibt es eine vom Bett aus schaltbare "Lese"-Lampe und neben den Betten jeweils Smartfonehalter mit USB-Ladebuchsen.
Die Kassettentoilette hat einen eingebauten Tank, der ab Werk über eine außen liegende Befüllöffnung mit einer Kanne befüllt werden kann. Für mehr Komfort habe ich aber die Toilette gepimpt und eine Wasserzufuhr aus dem 110l-Frischwassertank dazugerüstet, die einfach per Knopfdruck eingeschaltet wird und durch einen Schwimmerschalter wieder abgeschaltet wird. Die Toilette hat eine sogenannte SOG-Einrichtung, die während der Nutzung einen Unterdruck durch die Abwasserkassette schafft und geruchsgereinigte Luft nach außen führt. Das Waschbecken hat einen eigenen kleinen 28l-Tank, der als Rollkanister einfach entsorgt werden kann. Auch in diesem habe ich eine Voll-Anzeige mit Schwimmerschalter realisiert. Unter allen Wasserkomponenten sind Leckagedetektoren platziert, die ein Leck anzeigen und die verbauten Magnetschalter sperren.
Wasser und Beleuchtung sind komplett in 12V-Technik ausgelegt. Die Verkabelung habe ich komplett in den 25mm-Sandwichpaneelen, die ich für den Bau der Wände benutzt habe, verlegt. Man sieht so kein Kabel an den Wänden. Die Sandwich-Paneele sind alle mit Aluminiumprofilen eingefasst, geklebt und genietet. Nur die Blenden (Fachtüren und Schubfächer) sind aus geöltem Multiplex.
Gegenüber dem Bett steht eine große Kühl-Gefrierkombi 109l/48l mit Schrankumbau. Im Eingangsbereich ist dieser als großzügiges Regal ausgelegt mit reichlich Lademöglichkeiten für USB-Geräte. Rechts und über dem Kühlschrank gibt es mehrere Schrankfächer, von denen eins als Elektro-Box dient, eins das eine
Eiswürfelmaschine auf Vollauszügen beinhaltet und ganz unten ist die 200Ah-Batterie verbaut, die von einer Solaranlage oder einem speziellen Dauerladegerät gespeist wird und über einen Wechselrichter bis zu 1500 Watt (230V) auch während der Fahrt für bsw. den Kühlschrank liefern kann. Hinter dem Kühlschrank sind Zu- und Abluftöffnungen nach draußen verbaut und eine Lüftersteuerung schaltet bei erhöhten Temperaturen zusätzlich einen Lüfter zur Zwangsluftumwälzung ein. Das gleiche gibt es auch für die Elektrobox.
Entlüftung und etwas Tageslicht gibt es über 3 Dachhauben. Eine in jedem Raum. Offen halte ich mir noch die Möglichkeit, Fenster einzubauen. Das ginge in den Türen und eventuell gegenüber der Küche hinter dem dort befindlichen Klapptisch. Aber erstmal wollen wir bei den ersten Nutzungen schauen, was wir eventuell noch für Stauraum und/oder Befestigungsmöglichkeiten an den Wänden benötigen.
Im WC und am Dachlüfter Schlafraum gibt es schaltbare 12V-Steckdosen für optionale Lüfter.
Geheizt wird mit einem Heizlüfter über der Seitentür, der auch als Türschleier dienen kann.
Im Küchen/Werkstatt/Garagen-Bereich sind im Boden Airline-Schienen eingelassen und ca. alle 10cm durch den in dem Bereich gedoppelten Boden verschraubt. Diese Flexibilität erlaubt es uns, das ggf. dritte und vierte Motorrad auch mit eingeklappten Vorderrad sicher zu verzurren. Die Räder werden dann dabei in passend plazierten und im Boden eingerasteten kurzen Alu-U-Profilen stehen.
Ein einzelnes Motorrad passt ganz normal gerade rein.
Die 11 Schubladen der Küche/Werkstatt sind direkt aus 6 verschieden großen Euroboxen gebaut, an denen Schwerlastvollauszüge befestigt sind. Vorn sind, wie schon erwähnt, die Multiplex-Blenden angeschraubt. Der Korpus ist wie auch der Kühlschrankumbau auch wieder komplett aus Sandwich mit Aluprofilen. Ich glaub, ich hab insgesamt ca. 1500 Blindnnieten und ca. 250 Nietmuttern verbaut

In einer der oberen flachen Schubladen ist die Induktionskochplatte plaziert, die auch dort beim Kochen bleibt. Über der Arbeitplatte gibt es noch einen Oberschrank mit eingebauten Dunstabzug und angebauten Backofen.
Außerdem gibt es noch ein großes Fach auf Schwerlastauszügen unterm Fussraum des unteren Bettes.
Für die Spannungsversorgung habe ich insgesamt 5 Spannungsquellen, die über Relais jeweils automatisch umgeschaltet werden.
Die Batterie liefert 12V und 230V (an ausgewählte Verbraucher) über den Wechselrichter. Beim Anstecken der ersten Kabeltrommel werden beide Verbindungen getrennt und 12V aus einem Netzteil und die 230V nun direkt von außen genutzt und weitere Steckdosen freigegeben. Bei einer Verbindung mit einer zweiten 230V-Kabeltrommel werden die restlichen Steckdosen in der Küche freigegeben, wie auch bei Versorgung mit Kraftstrom, der dann wiederum die 230V-Versorgung abschaltet. (Für die Elektriker unter uns: Alles natürlich zweipolig geschaltet, da durch die Versorgung über 230V-Steckerbindungen ja keine eindeutige L-N-Verbindungen möglich sind.
Wer schonmal versucht hat, einen schweren Doppelachser zu bewegen und dabei Kurven schieben musste, wird wissen, was mir der angebaute Mover wert ist

Auf unserem engen Wendehammer, wo ich wohne, ist er schonmal jeden Cent wert. Er wird auch von der 200Ah-Batterie versorgt und ist über Fernbedienung oder Smartfone steuerbar.
Gewicht ist natürlich immer ein Thema. Alles ist so eingebaut, dass ich ohne weitere Beladung gerademal einen Gewichtsunterschied von 10 kg rechts/links habe. 50 Kg liegen auf der Kugel des Zugfahrzeuges. Bei Beladung mit Motorrädern kann der ganz vorn unterm Boden befindliche Frischwassertank mit 110l Wasser als Balance-Ausgleich gefüllt werden und/oder zusätzliche Wasserkanister an den dort befindlichen Airline-Schienen an der Frontwand befestigt werden. Außerdem habe ich im Bedarfsfall noch passende Stahlgewichte, die ganz vorn in die Deichsel befestigt werden könnten.
Zukünftig (dafür muss ich grad noch auf höhere Außentemperaturen warten, weil ich draußen verkleben muß) wird auf der Seite mit dem Einstieg noch ein festes Dach (2x3m², komplett mit Stellwand ca. 5cm dick) angehängt werden, das mit der dann daran befindlichen Stellwand (auch 3x2 m) nach Eintreffen innerhalb von 5 min aufgestellt werden kann und in das dann bei Bedarf von und hinten zwei Planen mit Reissverschlüssen eingehängt werden. Das Vordach hat dann fest montierte LED-Beleuchtung und außen am Anhänger passend plazierte zwei Steckdosen für Heizstrahler und was auch immer

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Das also war mein Winterprojekt 2020/2021. Und ganz ehrlich... ohne Lockdown wäre das niemals in dieser Qualität möglich gewesen, weil ich sonst zwischen Spanien-Events und Skifahren viel weniger Zeit für den Bau gehabt hätte und immer wieder Kompromisse gemacht hätte, wenn stundenaktuell mangels verfügbares Material die angedachte Lösung nicht möglich gewesen war.
Und trotzdem wäre ich natürlich lieber u.a. nach Calafat und zum Skifahren gefahren. Aber so tat es nicht allzu weh, das nicht zu können bzw. unter den Umständen nicht zu wollen
kreative Grüße
vom falo
Nachtrag: Hier noch ein kleiner
Rundgang