"Der Wind ist kalt". Er erwähnte auch kalte Vorderreifen. Mit einem Blick auf meinen Bremsindikator ist klar, dass ich hier alles tue, außer zu bremsen. Und außerdem bin ich müde und habe keine Lust auf Stress. Und da ist es dann auch egal, dass es bei über 20°C eigentlich keinen Grund gibt, einen Michelin Power Performance Slick in soft nicht zu fahren. Heiliger Scheiß, ich will sieben Tage fahren. Und der Vorderreifen soll ja noch das Enduranzrennen mitmachen.
Turn 1 fällt aus.
Gemütlich mache ich mir meinen Zopf, gemütlich schiebe ich mir die Kontaktlinsen in die Augen. Gemütlich mache ich mir noch einen Kaffee.
Enduranzrennen...noch immer war nicht klar, mit wem ich das nun fahren wolle. Da kommt jemand aus Box 21. Die sich bisher dadurch bemerkbar gemacht hatte, dass ihre Bewohner blöde Witze machten darüber, dass ich nur irgendwas irgendwo reinstecken wolle.
Aber jetzt stand da ein junger Mann, der mit mir in einem Team fahren wollte. Wahrheitsgemäß antwortete ich ihm, dass er eigentlich Nummer 3 in der Reihe von Interessenten wäre, ich das mit den beiden anderen aber asap klären würde.
Turn 2 besteht aus zwei gezeiteten Runden. Ich wollte heute Vormittag nicht so viel fahren. Ich bekam nicht so viel fahren...Immer noch war es nicht merklich besser. Was aber half: der Gegenwind in Kurve 1 war weg. 2:21.
Mit Vusi fahre ich nicht, das war ziemlich schnell klar. Stolz auf seinem E-Roller kommt mir der Henning entgegen und berichtet von seiner Anmeldung. Also gut, dann eben das Mädchenteam, denke ich. Aber nein, es gibt kein Mädchenteam. Die Gesichtszüge waren gestern wohl zu sehr entgleist. Sebastian will mit mir fahren. Auch gut, denke ich, ich wollte mit Sebastian fahren -- ich fahre mit Sebastian. Wer wird denn schon so kleinlich sein. Dem Jungen aus Box 21 sage ich ab. Ich gehe mit Sebastian G. als Team "Mir Wurst" an den Start. Leichte thematische Überschneidung mit Team "Ist mir egal" (Sebastian V. / Henning) waren rein zufällig...
Turn 3 - Ich muss doch endlich mal vorankommen hier, Kack-Brünn!!! - hatte einen Vorteil: ich war wieder in Grupa B - Uwaga, Uwaga - gelangt und hatte die Chance auf weniger Hindernisse. Nur den Zugang zur Strecke wollte ich immer noch nicht finden. Dabei war doch der hintere Reifen frisch.
Runde für Runde konzentrierte ich mich auf Brems- und Einlenkpunkte. Aber ob es die richtigen waren, stand in den Sternen. Wo waren diese Instruktoren, wenn man einen brauchte?!? Ich landete bei einer 2:20 und musste damit zufrieden sein.
Es waren noch 5 Sekunden abzutragen, bis ich mein Ziel erreicht hätte. Klaus abzuhaken, konnte ich sowieso vergessen...der war schon bei einer 2:15 angekommen. Ein Ding der Unmöglichkeit für mich.
"2:15 ist machbar." So hatte mir Herr Bühn geantwortet, als ich meinen Plan dargelegt hatte. ich hatte das sogar schriftlich. MACHBAR. Da stand es doch. Und er kannte doch mich und meine Kapazitäten. Der würde doch keine Späße machen. Doch nicht mit mir? Oder doch?
