Genau so isses!!Franz/K3 hat geschrieben:....Die Fahrer sind austauschbare Gehilfen, der Teamcheffe entscheidet über Sieg oder Niederlage!
Larsi-Hasi hat alles gegeben, seine R6 wieder flott zu bekommen - leider vergebens.
So mussten wir einen Ersatzfahrer suchen.
Noch 40 Stunden bis zum GEC-Start.
Ich hatte einen netten und schnellen R1-Cup-Fahrer gefunden, der spontan zusagte. freu, freu
Noch 20 Stunden bis zum GEC-Start.
Der weiterhin nette, aber nun wegen technischer Probleme an seiner R1 unpässliche R1-Cup-Fahrer sagte leider ab. Schade.
Noch 18 Stunden bis zum GEC-Start.
Habe zwei neue Aufzyder gefunden, die mir ihre Teilnahme an dem GEC-Lauf zusagten - aber nur als Bundle. Kein Problem sagte ich, das Reglement des GEC gibt das her. So konnte ich diesen Lauf doch noch fahren. freu
Noch 130 Minuten bis zum GEC-Start.
Das Aufzynd-Bundle sagte wegen technischer und konditioneller Probleme ab.
Soll ich jetzt weiter suchen und so kurzfristig noch jemanden finden? Die meisten Nicht-GEC-Fahrer packten bereits ein oder waren schon fertig damit. Das ganze Race-Equipment musste auch noch von der Zeltstadt in eine Box gebracht werden und ein paar klärende Worte zur Taktik und zum Start- und Wechselverhalten mussten ja schließlich auch noch mit dem Teampartner in spe gesprochen werden.
Scheiße, die Zeit lief mir weg. Aber wer aufgibt verliert!
So ging ich weiter suchend durch das Fahrerlager und fragte jeden mir entgegenkommenden Aufzynder, ob er er nicht Lust hätte, das GEC-Rennen mitzufahren, oder ob er jemanden kennen würde der dazu Lust hat, oder ob er jemanden kennen würde der jemanden kennt, besagtes Rennen mitzufahren.
Die Motivation bei den angesprochenen Aufzyndern, ein 4-h-Rennen bei mehr als 30°C zu fahren, konvergierte aber gegen Null und die Anzahl der Absagen gegen 100%.
Alles Memmen dachte ich mir so.
Noch 80 Minuten bis zum GEC-Start.
Ich wollte fast aufgeben, da erblickte ich einen jungen, gut aussehenden Mann, der lässig an einem Boxentor lehnte und sich offensichtlich langweilte. Ich meine, ihn früher schon einmal des Nachts auf einem schweizer Parkplatz gesehen zu haben, war mir aber nicht ganz sicher.
Ich ging auf ihn zu und sagte meinen auswendig gelernten Spruch, ob er nicht jemanden kennen würde der einen kennt, der..... usw.
Der junge, gutaussehende Boxenanlehner war selber (noch) nicht in der Lage, ein Moped artgerecht auf dem Track zu bewegen, weil er sich schon länger in einer Genesungsphase befand, die sein wichtigstes Körperteil, die rechte Hand, zu alter Stärke verhelfen sollte. Diese Hand hatte er sich im vergangenen Jahr bei einem Motorradrennen stark verletzt.
Da der junge, gutaussehende Boxenanlehner auch sehr hilfsbereit ist, machte dieser sich flugs auf die Suche, doch noch jemanden für das bevorstehende Rennen für mich zu finden und............
war erfolgreich!
Es musste von diesem Fahrer (No zwei) nur noch sein Moped und sein Equipment in die Box geschafft werden, Reifen besorgt und umgezogen werden, Sprit besorgt werden, ein Transponderhalter besorgt und montiert werden, vollgetankt werden, Reifenwärmer aufgezogen werden (natürlich erst, nachdem der Reifen auf der Felge war), Regenreifen herbeigeschafft werden (es war Regen angesagt worden) und - er wollte vorher noch etwas Essen gehen!
Kein Problem dachte ich mir, das ist alles so was von normal, das machen alle Racer hier so - und es sind ja immerhin
noch 60 Minuten bis zum GEC-Start.
In freudiger Erregung des bevorstehenden Rennereignisses, was jetzt doch noch in greifbarer Nähe gerückt war, schaffte ich mein Moped samt Zubehör, Regenreifen, Spritkanister, Reifenwärmer, Werkzeugwagen, Boxentafel, Getränke, Lederkombi, Helm und den ganzen Kleinscheiß, den man immer so bei einem Langstreckenrennen benötigt bzw. dabei haben will, in die nun gemeinsame Box. Was da immer so alles zusammenkommt - unglaublich. Mein erster Umzug von meiner Studentenbude in eine richtige Wohnung war erheblich einfacher.
Ich muß ergänzend dazu sagen, daß mir mein Sohn, der heuer das erste mal mit mir auf der Rennstreck war, mich tatkräftig bei der Schlepperei der Klamotten bei 32°C von der Zeltstadt in die Box 7 unterstützte, sonst wäre ich vermutlich vorher dem Hitzetod erlegen. Der junge, gutaussehende, hilfsbereite Boxenanlehner kümmerte sich derweil um die Orga und das Material von Fahrer zwei, der ja gerade beim Essen war.
Noch 20 Minuten bis zum GEC-Start.
Das Team, bestehend aus Fahrer zwei, seiner Frau, meinem Sohn und mir, trafen sich zum ersten mal gemeinsam in der Box. Ziel des Treffens war, die Aufgaben für das bevorstehenden GEC-Rennen zu verteilen und zu koordinieren. Nichts leichteres als das. War doch mein Sohn zum ersten mal auf der Rennstrecke und hat noch nie einen Transponder, Montageständer oder Reifenwärmer gesehen, war ich mit meinem Teampartner auf Grund jahrelang gemeinsam nicht bestrittener Langstreckenrennen so was von eingespielt. Einzig die Frau von Fahrer No zwei viel aus der Reihe. Sie hatte im WM-Team von KTM jahrelang Erfahrung zum Thema "Fahrerwechsel" gesammelt und kannte sich somit bestens aus. Wir platzten fast vor Harmonie. Ich sollte starten.
"...knnrrrrz....ffieeep.....Achtung...Fahrerlager, .....knrrrzz....frrrpfff.......Boxengasse.......fr.....eine Minute geöffnet", drang es von der Lautsprecheranlage des Fahrerlagers an mein Ohr.
Und tatsächlich, die Ampel an der Boxenausfahrt ging auf grün. Ahhhhh, zu diesem Zeitpunkt sollte der geneigte Aufzynder eigentlich rennfertig vor seinem Moped stehen, um in 60 Sekunden bei grünlich schimmernder Ampel das Boxenareal verlassen zu können. Mir war dieser Umstand zwar nicht fremd, hatte es aber in den vergangenen hektischen 120 Minuten übersehen, wie spät es schon war. Ich befand mich nämlich noch in vollster Zivil(ver-)kleidung.
Jeder der so etwas schon einmal mitgemacht hat weiß, welch hektische Ankleidezeremonie jetzt folgt, unansehnlich aber effizient. Leider reichten die 60 Sekunden nicht und die Ampel ging auf rot. Durch einen kleinen Trick, den ich aber hier nicht verrate, kam ich dann doch noch auf die mir zugewiesene Startposition ziemlich weit hinten. Mehr als Platz 29 war beim gestrigen Zeittraining mit meinem Regenmoped nicht drin. Regenmoped???? Bei 32°C und blauem Himmel??? Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, daß mir mein Rennmoped kurz vorher kaputt gegangen war. Getriebeschaden. Deshalb musste ich für das Qualifying und das Rennen kurzfristig auf mein Regenmoped umsteigen
An unserer Startposition tat sich der junge, gutaussehender Boxenanlehner abermals mit seiner Hilfsbereitschaft hervor und hielt mein Moped im perfekten Winkel zur Fahrbahn.
Ich atmete tieeeef durch. Es hatte also doch noch geklappt.
Die Vergleichsfahrt konnte von mir aus beginnen.
Das Rennen
Wir sind bei strömender Sonne von 29 auf den 15 Platz vorgefahren, einen Platz nach dem Vierzehnten, aber einen vor dem Sechzehnten. Es war anstrengend und schön.
Hinweis: die im vorstehenden Bericht genannten Personen sind nicht frei erfunden sondern gnadenlose Wirklichkeit. Ähnlichkeiten mit Personen der real existierenden Wahnsinns sind beabsichtigt.
Die Helden dieser Story sind:
junger, gutaussehender Boxenanlehner: Bandi ähh Bundy
Fahrer zwei: Hendrik
Frau von Fahrer zwei: Stefanie
Sohn von Stoppie: Niklas
Stoppie: Stoppie
Fazit:
Es gibt immer einen Weg zum Aufzynden, auch wenn es aussichtslos erscheint, Endurance eben.
Ich habe wieder zwei sehr nette Aufzynder kennen gelernt – Stefanie und Hendrik. Danke an dieser Stelle für eure spontane Hilfe. Ein Geheimnis hätte ich aber doch gerne von Hendrik gewusst: wie liegt so ein Mittagessen während des 4-h-Rennens im Magen? Übrigens, eure Handschuhe liegen bei mir. Sagt mir, wo ich sie hinschicken soll.
Vielen Dank noch einmal an Herrn Bundy: Deine Hilfsbereitschaft hat mir (uns) dieses Rennen erst ermöglicht. Ich weiß, daß du das aus rein egoistischen Gründen gemacht hat, du warst scharf auf ein gekühltes After-Race-Potts.
Bis Ungarn