Alleinreisend - Alles anders
Infos zu und mit Veranstaltern, aber auch zu anderen Themen,
über die es sich lohnt zu sprechen!
über die es sich lohnt zu sprechen!
- campari Offline
- Beiträge: 6030
- Registriert: Samstag 5. September 2009, 23:29
- Lieblingsstrecke: Jerez
- Wohnort: Lübeck
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Nach einem Abendessen, bei dem ich mich zu den fleißig Grillenden setzte, mir allerdings mit nur einem Grillkäse im Gepäck und einem Teller voll einer Mischung aus Kichererbsen und weißen Bohnen in roter Soße und Chiliflockenwürze (Dank an Serdal) mal wieder große Augen und die Frage "Bist du Veganerin" einheimste, war ich echt kaputt und noch mehr müde. Ich aß noch eine Hühnerbrust auf, die herrenlos auf dem Tisch lag und zog mich zurück. Ich hoffte, dass heute keine Laberbacken unterwegs waren. Der Power Cup musste doch schlafen wollen!
Und ich war froh, dass ich ein Buch hatte. Also legte ich mich auf meine Karpfenliege, hörte der angenehmen Begleitmusik der Schweizer nebenan zu und genoss meinen Alleine-Abend. 2:15 war machbar.
Wie, das würden wir schon noch klären, der Herr Bühn und ich!
Und ich war froh, dass ich ein Buch hatte. Also legte ich mich auf meine Karpfenliege, hörte der angenehmen Begleitmusik der Schweizer nebenan zu und genoss meinen Alleine-Abend. 2:15 war machbar.
Wie, das würden wir schon noch klären, der Herr Bühn und ich!

Öfter mal die Hände waschen!!!
- campari Offline
- Beiträge: 6030
- Registriert: Samstag 5. September 2009, 23:29
- Lieblingsstrecke: Jerez
- Wohnort: Lübeck
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Überraschung! Die Sonne scheint! Und sie wird noch mehr scheinen an Tag sechs von sieben. Erbarmungslos und heiß. Zum Glück hatte ich damit Erfahrung. Und heute fällt Turn 1 nicht aus. Schließlich ist es jetzt relativ windstill, aber nicht kalt. Und ich habe sehr gut geschlafen. Nur die Muskeln sind immer noch müde und würden sich gerne wieder hinlegen.
Nach der üblichen Aufwärmroutine rolle ich also los. Mit einem roten Aufkleber. Serdal und ich hatten, völlig zurecht, Plätze getauscht. Mir war es recht. Ich war KO, meine 2:15 stand, und was sollte der Quatsch, dabei einen Aufstand machen zu wollen. "Okeey, was hatte er gesagt? Hier noch mehr raus, da noch mehr bremsen. Und jetzt endlich, endlich, endlich nicht immer den ganzen Schwung wegnehmen." Ich gab mir Anweisungen. Immer wieder musste ich mal Rücksicht nehmen, nur um mich dann an Fernsicht zu erfreuen. Die PS-Bomber zogen davon wie auf Knallgas, aber hatten immer ihre Schwierigkeiten, durch die Kurven zu kommen. Vor allem der Highsider Hill, auch genannt Horsepower Hill, war eine Herausforderung. Alles, was nicht flüssig durchging, bremste mich über die Maßen aus, nur um mir dann in der nächsten Kurve dasselbe Spiel zu servieren. Das Einzige, was ging, das war deutlich hinter dem Häuschen und der Kuppe zu bremsen und zu hoffen, dass man nicht aus Versehen die Streckenausfahrt nehmen musste.
Na, gut. Üben wir überholen. Warum nicht. Das war gestern selten geworden. Mit einer Mischung aus 2:16/2:17 war ich ganz zufrieden.
Tun 2 fand nicht statt. Zumindest nicht für mich. Ich rollerte los und rollerte wieder zurück. Es hatte wieder jemand eine rote Flagge verursacht.
Und Turn 3 musste es dann werden. Mittlerweile hatte sich ein fieser Gegenwind entwickelt. Der pustete die Gerade entlang und vor allem kam er mir das ganze Bergaufstück entgegen. Es war unmöglich, hier noch mehr zu beschleunigen. Ich musste alles über die Bremse machen. Jan, der mir hinterherfuhr, sollte doch endlich mal zufrieden sein. Aus den 2:16 wurden kleinere 2:16 und endlich war dann noch eine 2:15 dabei.
Bei der Nachbesprechung suchten wir nach Gründen, warum ich noch nicht fixer war. Und obwohl der Herr Bühn jetzt mit der Bremserei sehr zufrieden war, bemerkte er, dass ich irgendwie alles viel später machte als er. Ich brauchte zu lange, machte mehr Meter und war deswegen immer zu spät mit allem fertig und konnte so nicht optimal die Line halten. Agilität, wir brauchten mehr Agilität.
2:15 war machbar. Vor allem, wenn ich mich auf das schnellere Umlegen konzentrierte. Und vor allem, weil ich eben trotz Verkehrs eine 2:15,2 abgehakt hatte.
Für den Moment war mir egal, was machbar war. Ich war kaputt.
Nach der üblichen Aufwärmroutine rolle ich also los. Mit einem roten Aufkleber. Serdal und ich hatten, völlig zurecht, Plätze getauscht. Mir war es recht. Ich war KO, meine 2:15 stand, und was sollte der Quatsch, dabei einen Aufstand machen zu wollen. "Okeey, was hatte er gesagt? Hier noch mehr raus, da noch mehr bremsen. Und jetzt endlich, endlich, endlich nicht immer den ganzen Schwung wegnehmen." Ich gab mir Anweisungen. Immer wieder musste ich mal Rücksicht nehmen, nur um mich dann an Fernsicht zu erfreuen. Die PS-Bomber zogen davon wie auf Knallgas, aber hatten immer ihre Schwierigkeiten, durch die Kurven zu kommen. Vor allem der Highsider Hill, auch genannt Horsepower Hill, war eine Herausforderung. Alles, was nicht flüssig durchging, bremste mich über die Maßen aus, nur um mir dann in der nächsten Kurve dasselbe Spiel zu servieren. Das Einzige, was ging, das war deutlich hinter dem Häuschen und der Kuppe zu bremsen und zu hoffen, dass man nicht aus Versehen die Streckenausfahrt nehmen musste.
Na, gut. Üben wir überholen. Warum nicht. Das war gestern selten geworden. Mit einer Mischung aus 2:16/2:17 war ich ganz zufrieden.
Tun 2 fand nicht statt. Zumindest nicht für mich. Ich rollerte los und rollerte wieder zurück. Es hatte wieder jemand eine rote Flagge verursacht.
Und Turn 3 musste es dann werden. Mittlerweile hatte sich ein fieser Gegenwind entwickelt. Der pustete die Gerade entlang und vor allem kam er mir das ganze Bergaufstück entgegen. Es war unmöglich, hier noch mehr zu beschleunigen. Ich musste alles über die Bremse machen. Jan, der mir hinterherfuhr, sollte doch endlich mal zufrieden sein. Aus den 2:16 wurden kleinere 2:16 und endlich war dann noch eine 2:15 dabei.
Bei der Nachbesprechung suchten wir nach Gründen, warum ich noch nicht fixer war. Und obwohl der Herr Bühn jetzt mit der Bremserei sehr zufrieden war, bemerkte er, dass ich irgendwie alles viel später machte als er. Ich brauchte zu lange, machte mehr Meter und war deswegen immer zu spät mit allem fertig und konnte so nicht optimal die Line halten. Agilität, wir brauchten mehr Agilität.
2:15 war machbar. Vor allem, wenn ich mich auf das schnellere Umlegen konzentrierte. Und vor allem, weil ich eben trotz Verkehrs eine 2:15,2 abgehakt hatte.
Für den Moment war mir egal, was machbar war. Ich war kaputt.

Öfter mal die Hände waschen!!!
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
2,15..sehr gut
-
- businesskasper Offline
- Beiträge: 976
- Registriert: Samstag 23. Juni 2018, 14:36
- Motorrad: XT660 R wie Racing
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Das ist mit 'ner 600er in Brünn schon anständig flott.
- Kurvenjunkie Offline
- Beiträge: 3436
- Registriert: Freitag 4. November 2005, 17:53
- Motorrad: 2 X TC 105 Pitbike
- Lieblingsstrecke: Brno, Harzring
- Wohnort: Chateau Reibach
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Freut mich, dass Du nach der Wetterpleite in Oschersleben in Brünn eine gute Zeit in den Asphalt gebrannt hast.
Ich versuche übernächste Woche mal die 47 Sekunden in OSL auf der Kartbahn fallen zu lassen wenn das Wetter passt.
Ich versuche übernächste Woche mal die 47 Sekunden in OSL auf der Kartbahn fallen zu lassen wenn das Wetter passt.
- campari Offline
- Beiträge: 6030
- Registriert: Samstag 5. September 2009, 23:29
- Lieblingsstrecke: Jerez
- Wohnort: Lübeck
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Danke. Ich hatte schon befürchtet, ich führe Selbstgespräche.

Öfter mal die Hände waschen!!!
- campari Offline
- Beiträge: 6030
- Registriert: Samstag 5. September 2009, 23:29
- Lieblingsstrecke: Jerez
- Wohnort: Lübeck
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Die 2:15 war da. Eine gute. Ich hatte alles erreicht. Aber Klaus, den hatte ich nicht hinter mir gelassen. Der war immer noch schneller. Ich dachte an den goldenen Löffel, der auf meinem Abtropfgestell lag und längst getrocknet war.
Und ich dachte an Serdal. Quirlig, voller Energie. Als ich das mit dem Rennen kategorisch abgelehnt hatte, waren seine Augen die größesten, die ich je gesehen habe. Also neben denen vom gestiefelten Kater. Es war nahezu schockiert. "Aber Andrea, du musst doch Rennen fahren", meinte er. Und ich versuchte zu erklären, dass ich schon ausreichend Rennen gefahren war hier und dass es ja auch irgendwann mal reicht und überhaupt müsste ich dann ja noch extra Geld bezahlen. An diesem Punkt waren mir die Argumente ausgegangen.
Serdal hatte darauf bestanden, mir die Startgebühr bezahlen zu wollen. Und jetzt? Das blödeste von allen Argumenten einfach so - ka-pofff - weggezaubert.
Und ich war soooo müde. Während ich noch darüber sinnierte, warum Serdal jetzt mir ein Rennen ausgeben sollte, wurden die Augen immer kleiner und ich schlief tatsächlich ein. Auch lange, nachdem die Mittagspause vorbei war, wird weitergeschnarcht in meinem Stuhl. Sieben Tage Brünn. Größenwahn.
Langsam blinzele ich und vor mir steht Marc, der gerade von seinem Turn, also meinem, zurückgekommen war. Ach, je. Verschlafen. Aber wir alle wissen, wenn die Andrea von alleine einschläft ohne, dass es totenstill drumrum ist, dann ist die wirklich müde. Ich habe gerne auf den Turn verzichtet und versuche, langsam zurück ins Leben zu kommen. Kaffee, wir brauchen Kaffee. Und noch etwas mehr davon und weitere Bemühungen wieder auf die Seite der Lebenden zu gelangen.
Daraufhin folgten gaaaaanz viele 2:22. Der Wind, mein ambivalenter Freund, hatte mittlerweile so zugelegt, dass es mir unmöglich war, dagegenanzufahren. Die ganze Gerade, und noch viel schlimmer, das ganze Stück bergauf machte er meinen Vorschub absolut zunichte. Und dazu noch die Individuen, die das Fahren ohnehin nicht leichter für mich machten.
Tag sechs wies mich in die Schranken.
Und ich dachte an Serdal. Quirlig, voller Energie. Als ich das mit dem Rennen kategorisch abgelehnt hatte, waren seine Augen die größesten, die ich je gesehen habe. Also neben denen vom gestiefelten Kater. Es war nahezu schockiert. "Aber Andrea, du musst doch Rennen fahren", meinte er. Und ich versuchte zu erklären, dass ich schon ausreichend Rennen gefahren war hier und dass es ja auch irgendwann mal reicht und überhaupt müsste ich dann ja noch extra Geld bezahlen. An diesem Punkt waren mir die Argumente ausgegangen.
Serdal hatte darauf bestanden, mir die Startgebühr bezahlen zu wollen. Und jetzt? Das blödeste von allen Argumenten einfach so - ka-pofff - weggezaubert.
Und ich war soooo müde. Während ich noch darüber sinnierte, warum Serdal jetzt mir ein Rennen ausgeben sollte, wurden die Augen immer kleiner und ich schlief tatsächlich ein. Auch lange, nachdem die Mittagspause vorbei war, wird weitergeschnarcht in meinem Stuhl. Sieben Tage Brünn. Größenwahn.
Langsam blinzele ich und vor mir steht Marc, der gerade von seinem Turn, also meinem, zurückgekommen war. Ach, je. Verschlafen. Aber wir alle wissen, wenn die Andrea von alleine einschläft ohne, dass es totenstill drumrum ist, dann ist die wirklich müde. Ich habe gerne auf den Turn verzichtet und versuche, langsam zurück ins Leben zu kommen. Kaffee, wir brauchen Kaffee. Und noch etwas mehr davon und weitere Bemühungen wieder auf die Seite der Lebenden zu gelangen.
Daraufhin folgten gaaaaanz viele 2:22. Der Wind, mein ambivalenter Freund, hatte mittlerweile so zugelegt, dass es mir unmöglich war, dagegenanzufahren. Die ganze Gerade, und noch viel schlimmer, das ganze Stück bergauf machte er meinen Vorschub absolut zunichte. Und dazu noch die Individuen, die das Fahren ohnehin nicht leichter für mich machten.
Tag sechs wies mich in die Schranken.

Öfter mal die Hände waschen!!!
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
- campari Offline
- Beiträge: 6030
- Registriert: Samstag 5. September 2009, 23:29
- Lieblingsstrecke: Jerez
- Wohnort: Lübeck
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Es ist sogar dasselbe
(I am the Klugscheißerkind)
PS: beim Fotografen MaZZe gibt es Bilder, aber ich weiß nicht, ob ich mir das noch leisten kann, so viel wie ich für Reifenwechsel ausgegeben habe
https://www.mazzes-fotomatrix.de/546301 ... ruenn?l=de
https://www.mazzes-fotomatrix.de/171219 ... ruenn?l=de
(I am the Klugscheißerkind)
PS: beim Fotografen MaZZe gibt es Bilder, aber ich weiß nicht, ob ich mir das noch leisten kann, so viel wie ich für Reifenwechsel ausgegeben habe
https://www.mazzes-fotomatrix.de/546301 ... ruenn?l=de
https://www.mazzes-fotomatrix.de/171219 ... ruenn?l=de

Öfter mal die Hände waschen!!!
- campari Offline
- Beiträge: 6030
- Registriert: Samstag 5. September 2009, 23:29
- Lieblingsstrecke: Jerez
- Wohnort: Lübeck
Re: Alleinreisend - Alles anders
Kontaktdaten:
Egal, wie kaputt ich war. Diese 2:22-Sache wurmte mich ausgiebig. Konnte doch nicht sein, das. Im nächsten Turn würde ich angreifen. Und das tat ich. Bis ich in der absolut letzten Kurve, also der direkt vor der Geraden einen Rutscher hatte, den ich nicht nochmal erleben wollte. Konnte doch nicht sein, dass dieser Reifen nach nicht einmal zwei Tagen schon durch war?!? Im letzten Jahr hatte war ich mit diesem Fabrikat mindestens vier Tage bei sengender Sonne unterwegs gewesen. Was sollte das?!?
Und während ich noch grübelte, hob ich die Hand und suchte den Eingang zur Box. Tag sechs machte mich fertig. Was sollte ich tun? Ich konnte mit diesem Ding am Hinterrad hier definitiv nicht weiterfahren. Das war lebensgefährlich.
Und ich hatte keinen neuen Reifen mehr. Ich hatte einen MS2, den ich noch gut für ein Drehmanöver und ein Einrollen hielt. Und auf diesem war mit Kreidestift ein Pfeil in die Laufrichtung aus Brünn aufgemalt worden, wie ich es bestellt hatte. Und der Reifendienst? Der hatte V02 Softies und Pirellis - super!
Es gab keine andere Möglichkeit. Ich ging mal wieder zum Reifendienst und verifizierte, ob sie denn Reifen auch drehen würden. Und dann ging ich mit dem Reifen und dem ausgebauten Rad hin und bat um ein Wechselmanöver. Zwischendrin brachte ich das Rad von Serdal mit zurück und alles war klar und deutlich in meinem Kopf:
Andrea, du musst doch Rennen fahren.
Und während ich noch grübelte, hob ich die Hand und suchte den Eingang zur Box. Tag sechs machte mich fertig. Was sollte ich tun? Ich konnte mit diesem Ding am Hinterrad hier definitiv nicht weiterfahren. Das war lebensgefährlich.
Und ich hatte keinen neuen Reifen mehr. Ich hatte einen MS2, den ich noch gut für ein Drehmanöver und ein Einrollen hielt. Und auf diesem war mit Kreidestift ein Pfeil in die Laufrichtung aus Brünn aufgemalt worden, wie ich es bestellt hatte. Und der Reifendienst? Der hatte V02 Softies und Pirellis - super!
Es gab keine andere Möglichkeit. Ich ging mal wieder zum Reifendienst und verifizierte, ob sie denn Reifen auch drehen würden. Und dann ging ich mit dem Reifen und dem ausgebauten Rad hin und bat um ein Wechselmanöver. Zwischendrin brachte ich das Rad von Serdal mit zurück und alles war klar und deutlich in meinem Kopf:
Andrea, du musst doch Rennen fahren.

Öfter mal die Hände waschen!!!