Zünden ohne Funken?
Hier könnt Ihr posten was nicht mit dem Thema Racing zusammenhängt
Jokes, jeglicher Dummfug oder einfach nur um zu quatschen
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Zünden ohne Funken?
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Mahlzeit, liebe Freunde der sportiven Fortbewegung.
Früher war alles besser. So hört man es oft an den Theken dieser Welt. Was diesen Spruch natürlich nicht richtiger macht und bisher wurden diese bemitleidenswerten Unken, deren Glas immer nur halbleer ist, von mir auch immer milde belächelt. Als gnadenloser Optimist ist für mich die Vergangenheit immer prima gewesen, die Zukunft aber das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Wetter auf dem nächsten Training wird bestimmt noch besser, der nächste Zweikampf wird gewonnen und im nächsten Turn breche ich vielleicht den Rundenrekord - so in der Art.
Dieser Tage bin ich allerdings milde erschrocken. Die Fakten für die kurzfristig eintreffende Zukunft:
Ich werde über Ostern zum ersten Mal in Mugello fahren, dem europäischen Mekka der Zündwilligen - so wurde mir zumindest von allen gesagt, die schon mal da waren. Mein Gefährt ist das Motorrad, von dem ich 16 Jahre lang geträumt habe und das seit einem Jahr mir gehört. Meine komplette Ausstattung liegt mit Reifenwärmern, Laptimer und sogar einigen Sturzersatzteilen für meine Verhältnisse auf GP-Niveau. Dazu muss man natürlich wissen, dass ich das Low-Budget-Racing zwar nicht erfunden, aber doch extrem kultiviert habe. So habe ich z.B. in den ca. 12 Jahren, in denen ich Rennstrecke fahre, nicht einen einzigen Satz neuer Rennreifen gekauft. Nun hadere ich mit dem Gedanken, mir für Mugello zum ersten Mal ein Pärchen fabrikneuer Glatzen zu gönnen.
Vor diesem Hintergrund müsste ich eigentlich vor kindlicher Vorfreude platzen, von morgens bis abends alberne Luftsprünge vollführen, jetzt schon mit dem Packen beginnen und aller Welt damit auf die Nerven gehen, welch beeindruckende Renngeschichte ich in Mugello zu schreiben gedenke. Tja. Wie gesagt, so müsste es eigentlich sein. Ist es aber nicht. Klar freue ich mich, nochmal Fahrerlageratmosphäre zu erleben, ein paar Runden auf einer wunderschönen Rennstrecke zu drehen und ein paar Tage den Alltagsbetrieb gegen eine pure Beschäftigung mit meinem Lieblingshobby auszutauschen. Der Kick vergangener Tage geht mir aber irgendwie ab. Woran es liegt, weiß ich nicht so recht. Vielleicht bringt ein kleiner Rückblick etwas Licht ins Dunkel und euch etwas Kurzweil in den verkackten Winter...
Automotodrom Grobnik, Rijeka, im Herbst irgendwann Ende der 90er:
Der Veranstalter des von mir und meinem Bruder erstmalig gebuchten Renntrainings, Alois Rausch von ms2, geht am Vorabend des ersten Veranstaltungstages durch das Fahrerlager und begrüßt seine bereits eingetroffenen Schäfchen. Vor unseren Karren bleibt er stehen und runzelt die Stirn, nachdem sein Blick auf den bereits reichlich angefahrenen Slicks hängenbleibt.
„Ist das euer erstes Training?“ Jawohl, so ist es.
„Und warum fahrt ihr Slicks?“
Wir erklären ihm, dass wir der festen Überzeugung sind, dass ein richtiger Rennfahrer sich nicht nur dadurch auszeichnet, dass er sein Kennzeichen demontiert und seine Lampen abgeklebt hat, sondern natürlich auch richtige Rennreifen fahren müsse. Als Alois weiterging, konnten wir ihn seinem Gesichtsausdruck zufolge damals nicht überzeugen…
Zum damaligen Zeitpunkt wusste ich nicht, dass man das Herstellungsdatum eines Reifens an der Flanke ablesen kann. Ich wusste noch nicht einmal, dass ein Reifen unabhängig davon, ob er gefahren wird oder nicht, altert. Keine Frage, dass wir als Schmalspurbudget-Anfänger auch kein Geld für so einen Firlefanz wie Reifenwärmer hatten. Wir wollten einfach mal schnell Motorrad fahren, ohne das Gesetz im Nacken und das Krankenhaus in Sichtweite zu haben. Und genau das haben wir getan. Haben die Fußrasten und Verkleidungen unserer Motorräder nach Strich und Faden angeschliffen und waren entsetzt über den Grip, den die Reifen (von denen wir zum Glück nicht wussten, dass sie ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein müssen) aufbauten.
Und hier liegt, glaube ich, der erste Knackpunkt. Es ist ein Unterschied, ob ich mit der Unbekümmertheit der Jugend etwas mache, dessen Tragweite ich gar nicht vollumfänglich überblicke oder ob ich mich 15 Jahre lang mit Reifen, deren Einsatzgebiet und Eigenheiten beschäftigt habe, und mir schon in die Hose scheiße, wenn ich mich auf ein Motorrad setze, dessen Reifen älter als 5 Jahre sind. In diesem Augenblick spielt es keine Rolle mehr, dass die schwarzen Ringe immer noch Welten mehr können, als ich ihnen abzufordern in der Lage bin, weil all das (zum großen Teil überflüssige) Wissen in meiner Birne das Spielchen nicht mitmacht.
Ja. So ist das. Und noch mehr habe ich herausgefunden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das überhaupt jemanden interessiert. Und die bescheuerte Tipperei macht fies Arbeit...
Gruß,
Markus
Früher war alles besser. So hört man es oft an den Theken dieser Welt. Was diesen Spruch natürlich nicht richtiger macht und bisher wurden diese bemitleidenswerten Unken, deren Glas immer nur halbleer ist, von mir auch immer milde belächelt. Als gnadenloser Optimist ist für mich die Vergangenheit immer prima gewesen, die Zukunft aber das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Wetter auf dem nächsten Training wird bestimmt noch besser, der nächste Zweikampf wird gewonnen und im nächsten Turn breche ich vielleicht den Rundenrekord - so in der Art.
Dieser Tage bin ich allerdings milde erschrocken. Die Fakten für die kurzfristig eintreffende Zukunft:
Ich werde über Ostern zum ersten Mal in Mugello fahren, dem europäischen Mekka der Zündwilligen - so wurde mir zumindest von allen gesagt, die schon mal da waren. Mein Gefährt ist das Motorrad, von dem ich 16 Jahre lang geträumt habe und das seit einem Jahr mir gehört. Meine komplette Ausstattung liegt mit Reifenwärmern, Laptimer und sogar einigen Sturzersatzteilen für meine Verhältnisse auf GP-Niveau. Dazu muss man natürlich wissen, dass ich das Low-Budget-Racing zwar nicht erfunden, aber doch extrem kultiviert habe. So habe ich z.B. in den ca. 12 Jahren, in denen ich Rennstrecke fahre, nicht einen einzigen Satz neuer Rennreifen gekauft. Nun hadere ich mit dem Gedanken, mir für Mugello zum ersten Mal ein Pärchen fabrikneuer Glatzen zu gönnen.
Vor diesem Hintergrund müsste ich eigentlich vor kindlicher Vorfreude platzen, von morgens bis abends alberne Luftsprünge vollführen, jetzt schon mit dem Packen beginnen und aller Welt damit auf die Nerven gehen, welch beeindruckende Renngeschichte ich in Mugello zu schreiben gedenke. Tja. Wie gesagt, so müsste es eigentlich sein. Ist es aber nicht. Klar freue ich mich, nochmal Fahrerlageratmosphäre zu erleben, ein paar Runden auf einer wunderschönen Rennstrecke zu drehen und ein paar Tage den Alltagsbetrieb gegen eine pure Beschäftigung mit meinem Lieblingshobby auszutauschen. Der Kick vergangener Tage geht mir aber irgendwie ab. Woran es liegt, weiß ich nicht so recht. Vielleicht bringt ein kleiner Rückblick etwas Licht ins Dunkel und euch etwas Kurzweil in den verkackten Winter...
Automotodrom Grobnik, Rijeka, im Herbst irgendwann Ende der 90er:
Der Veranstalter des von mir und meinem Bruder erstmalig gebuchten Renntrainings, Alois Rausch von ms2, geht am Vorabend des ersten Veranstaltungstages durch das Fahrerlager und begrüßt seine bereits eingetroffenen Schäfchen. Vor unseren Karren bleibt er stehen und runzelt die Stirn, nachdem sein Blick auf den bereits reichlich angefahrenen Slicks hängenbleibt.
„Ist das euer erstes Training?“ Jawohl, so ist es.
„Und warum fahrt ihr Slicks?“
Wir erklären ihm, dass wir der festen Überzeugung sind, dass ein richtiger Rennfahrer sich nicht nur dadurch auszeichnet, dass er sein Kennzeichen demontiert und seine Lampen abgeklebt hat, sondern natürlich auch richtige Rennreifen fahren müsse. Als Alois weiterging, konnten wir ihn seinem Gesichtsausdruck zufolge damals nicht überzeugen…
Zum damaligen Zeitpunkt wusste ich nicht, dass man das Herstellungsdatum eines Reifens an der Flanke ablesen kann. Ich wusste noch nicht einmal, dass ein Reifen unabhängig davon, ob er gefahren wird oder nicht, altert. Keine Frage, dass wir als Schmalspurbudget-Anfänger auch kein Geld für so einen Firlefanz wie Reifenwärmer hatten. Wir wollten einfach mal schnell Motorrad fahren, ohne das Gesetz im Nacken und das Krankenhaus in Sichtweite zu haben. Und genau das haben wir getan. Haben die Fußrasten und Verkleidungen unserer Motorräder nach Strich und Faden angeschliffen und waren entsetzt über den Grip, den die Reifen (von denen wir zum Glück nicht wussten, dass sie ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein müssen) aufbauten.
Und hier liegt, glaube ich, der erste Knackpunkt. Es ist ein Unterschied, ob ich mit der Unbekümmertheit der Jugend etwas mache, dessen Tragweite ich gar nicht vollumfänglich überblicke oder ob ich mich 15 Jahre lang mit Reifen, deren Einsatzgebiet und Eigenheiten beschäftigt habe, und mir schon in die Hose scheiße, wenn ich mich auf ein Motorrad setze, dessen Reifen älter als 5 Jahre sind. In diesem Augenblick spielt es keine Rolle mehr, dass die schwarzen Ringe immer noch Welten mehr können, als ich ihnen abzufordern in der Lage bin, weil all das (zum großen Teil überflüssige) Wissen in meiner Birne das Spielchen nicht mitmacht.
Ja. So ist das. Und noch mehr habe ich herausgefunden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das überhaupt jemanden interessiert. Und die bescheuerte Tipperei macht fies Arbeit...
Gruß,
Markus
Schade.
Ich hatte gehofft ihr sagt sowas wie "halt bloß die Fresse du depressive Furzbirne. Das Wetter an sich ist schon schlimm genug". Damit hätte sich weitere Arbeit an der Tastatur erledigt.
Aber gut. Ich werde gleich meine Kinder in die Badewanne schmeißen, ein leichtes Abendmahl zu mir nehmen und euch weiter an meiner rudimentären Erleuchtung teilhaben lassen.
Gruß,
Markus
Ich hatte gehofft ihr sagt sowas wie "halt bloß die Fresse du depressive Furzbirne. Das Wetter an sich ist schon schlimm genug". Damit hätte sich weitere Arbeit an der Tastatur erledigt.
Aber gut. Ich werde gleich meine Kinder in die Badewanne schmeißen, ein leichtes Abendmahl zu mir nehmen und euch weiter an meiner rudimentären Erleuchtung teilhaben lassen.
Gruß,
Markus
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