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Alleinreisend - Alles anders

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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von campari »

Bernd war im Moment der wichtigste Mann in meinem Leben. (neben dem kleinen Blonden, der immer mal wieder in die Box kam - mindestens für "guten Morgen" oder "gute Nacht") Hatte er doch alles, was ich brauchte. Und er hatte nicht nur ein Werkzeug, er hatte auch einen Kontaktgrill, auf den man sogar einen Grillkäse legen durfte. Und überhaupt war er ein freundlicher Geselle.

Schnell war er nicht mehr so richtig. Doch das schien ihn nicht zu stören. Irgendwie hatte er im Laufe der Zeit Performanz verloren, aber er nahm es gelassen. Wir hatten alle irgendwo Mehrsekunden liegen, die wir fröhlich jede Runde aufgabelten. Wer war hier schon richtig schnell?

Herr schraubär, wie ich lernte, war mal richtig schnell hier. 2:11 mit dem alten Asphalt. Und berechtigterweise hatte die BMW in Grupa B nichts zu suchen. War, angesichts der zwei Gestalten, die an ihrem Mopeds rummachten und sich dabei sehr viel Mühe gaben, explizit modisch zu wirken, vielleicht auch besser so. Irgendwann später, als es wieder etwas privater in der Box wurde, war die offizielle Schlussfolgerung, dass nicht die italienischen Motorräder an sich das Problem seien, sondern eher die Typen, die dazugehörten. Der Eine hatte versucht, mit einem falsch herum montierten Vorderrad zu fahren. (huch? :mrgreen: ) Ließ literweise Öl ab und hatte immer wieder die ganze Werkzeugkiste um seinen Hobel herum ausgebreitet. Der andere machte nicht ganz so viel, aber es war ausreichend, um die Augenbraue zu heben...ich wusste, warum man mich beaufsichtigen muss.

Bernd machte Andeutungen, er habe noch Bekannte im Fahrerlager. Worte wie "Ladies Cup organisiert" "sie fährt nicht mehr so viel" fielen. Und je mehr davon fielen, desto mehr formten sich meine Ohren in die einer Elfe. Bilder erschienen. Bilder von Regen, viel Regen, einem gemütlichen Zelt und einigen alkoholischen Getränken. Pfeffi. Und bei mir kein Alkohol. "Frau Findeisen?", frage ich viel viel später. Bernd sah mich daraufhin an wie ein Auto. Aber bestätigte die Vermutung.

Ich kannte Leute. Auch ohne Facebook, Insta oder WhatsApp.
Zuletzt geändert von campari am Donnerstag 13. August 2026, 08:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von Sonnenritter »

Was ich alles verpasst habe :( :(
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von coke »

Sonnenritter hat geschrieben: ↑Donnerstag 13. August 2026, 08:43 Was ich alles verpasst habe :( :(
Ja, ich trinke kaum mehr Alkohol und wie man in Brno wieder erleben durfte, ist die Welt doch ein Dorf.
Und nach 12 Jahren nicht sehen, kann man eine nette Zeit miteinander verbringen :D
War mal wieder schön!
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  • campari Offline
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von campari »

"Lass sie fahren", dachte ich mir. Es war noch früh an diesem Mittwoch, dem dritten Tag von sieben. Es sollte sich erst einmal ordentlich durchmischen in Grupa B. Ich hatte keine Lust auf Experimente mit Zickzackfahrerei mit halb wachen Individuen, die auf Reste einer Ölspur trafen. Also stand ich in der Box und sah zu. Ich sah zu, wie Ducatis warmlaufen durften. Ich sah zu, wie die kleine Tochter der Waschbeckenanwohner mitten in der Box auf einer Art Karpfenliege geparkt wurde und ich sah zu, wie sich der Herr schraubär in seine viel zu enge Schale warf. Wir hatten viel viel später deswegen noch viel zum Lachen. Die Sonne schien, der Wind wehte, und niemand klimperte oder kniff. Die Kontaktlinsen hatte ich weggelassen. Ich traf Eingänge und Ausgänge wie geplant und fühlte mich sicher in der Linie. Meine Augen befanden sich gestern Abend schon im Zustand "fortgeschrittener Zombie" und sie sollten noch mehrere Tage halten. Wir hatten nicht einmal Halbzeit. Ach ja, halten. Ich hatte etwas Muskelkater, aber nicht übermäßig. Das Training hat wohl geholfen. Nur die Nackenpartie hatte gelitten.

Brünn, 29.7.2026, Sonnenschein, die Andrea hält.

Hält sie auch, was sie versprochen hat?
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von stscit04 »

campari hat geschrieben: ↑Montag 17. August 2026, 10:55... Ich sah zu, wie die kleine Tochter der Waschbeckenanwohner mitten in der Box auf einer Art Karpfenliege geparkt wurde ...
Bin immer wieder überrascht, was Leute ihren Kindern in dem Umfeld antun. Klar, es gibt auch sehr verantwortungsbewusste Eltern deren Kids mit Gehörschutz an den passenden Stellen im Fahrerlager Spass haben - aber in einer Box bei einem Trackday zu liegen ist das absolut perfekte Setting für eine ordentliche Lungenkrankheit, von der man dann lange was hat. Ist glaube ich vielen nicht bewusst, dass das Warmlaufenlassen in der Box (am besten mit einem Tor zu) zu einer Atmosphäre aus purem Gift führt.

Ich kann da leider mitreden - stehe darum bevorzugt nur noch draußen im Zelt. Bin jetzt gespannt, wie die Story hier weitergeht!
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von campari »

Brünn, Sonnenschein, viel Sonnenschein, die Frisur hält (ja, warum auch nicht, ich hatte den Zopf gerade erst geflochten...). Der MS2 hoffentlich auch...ich hatte mich beflüstern lassen "der Grip ändert sich nicht - was sich ändert, ist der Verschleiß". Echt? Mein MS1 lag zuhause. Also da, wo nicht mehr mein Zuhause war. Und es sollte ja noch heißer werden. Und überzeugt durch gute Erfahrungen mit dem Power Performance Slick in Mugello und Most hatte ich mir das gute Stück hierher mitgenommen. Rechts mehr drehen und weniger ziehen. Der PPS in medium wollte gedreht werden, damit er funktioniert.

In Turn 2 von Grupa B ist selbstverständlich noch nicht Ruhe. Die Mischung aus Neulingen und Längerdagewesenen bringt mich dazu, Strategien zu entwickeln und Taktiken anzuwenden. Ein Überholvorgang dauert zumeist mehrere Runden. Und immer wieder wähle ich Vorsicht. Andere Menschen, andere Perspektiven. Ich sah auf einmal eine CarbonRN65 mit bunten Klebern neben mir und musste sie durchlassen. Der Henning. Der hatte schon sein längerem keinen runden Fahrstil mehr und verstopfte die Kurven so, dass ich - mit einer Mischung aus Seufzen und Kofschütteln - dahinter bleiben musste. Den Kopf schüttelte ich immer wieder, weil da vor mir eine Yamsel mit im Verhältnis zur Rundenzeit übergroßer Schräglage von einem Aufrechtmännchen durch die Kurve gedrückt wurde. "Der Kopf muss neben die Scheibe", wie oft hatte ich das vorgebetet. Nun war mein Fahrstill gewiss auch nicht optimal, aber ich fuhr dieselbe Kurve nicht so schräg. Und darum ging es doch... so viel Schräglage wie möglich vermeiden. Und dann seufzte ich wieder. Gerade als ich soweit war, endlich erfolgreich vorbeikommen zu können, war der Turn zuende.

Es stand 2:19,5 zu 2:19,7. Der Henning war heute langsamer als ich.

Turn 3, der ja eigentlich Turn 2 war, verläuft ähnlich. Allerdings ist der Henning nicht in Sicht. An der Zufahrtskontrolle hatte ich ihn ausgemacht und wie wild rumgestikuliert, er möge doch mal hinterherfahren. Schicksal hatte allerdings entschieden, eine große Lücke zwischen uns beiden zu schaffen. Ich durfte zuerst raus. Glück gehabt. Das mit dem Hinterherfahren war geregelt.

Es stand 2:19,9 zu 2:20,2. Der Henning war heute langsamer als ich.

Mittagspause.

Brünn, Sonnenschein, das Wetter hält. Die Vorhersage allerdings auch, was sie versprochen hatte. Wir hatten schon über 30°C. Ich wollte natürlich selbstverständlich morgen noch das 600er-Rennen fahren und konzentrierte mich darauf, ausreichend Luft abzulassen. Der Asphalt war so heiß, dass man sich die Pfoten verbrannte, aber der Wind war angenehm. Ich dankte mir für die Entscheidung, in diese Box eingezogen zu sein. Nicht nur wegen Bernd, dessen Tisch nur noch 10cm von meinem entfernt stand. Vor allem wegen der Abkühlungsmöglichkeit. Turn 4 würde zeigen, ob der Reifendruck passte. Turn 5 wäre die letzte Möglichkeit, etwas einzustellen und sich das für das Rennen am Donnerstag zu merken.


Turn 4 zeigte vor allem, dass der Henning heute doch nicht langsamer war als ich. Es stand 2:20,2 zu 2:18,2.

Turn 5 zeigte, dass das nicht stimmte. Es stand 2:17,6 zu 2:18,3.

Auch Turn 6 konnte daran nichts ändern. Der Henning war heute langsamer als ich. Klaus war schon bei einer 2:13,9. Und der schraubär zeigte sich mit einer 2:16 zufrieden.

Aber eines war heute deutlich geworden: Herr Bühn hatte recht. "2:15 ist machbar." Es waren nur noch zwei Sekunden und ich hatte noch von Donnerstag bis Sonntag.
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von marv »

und MS2 ging scheinbar doch ganz gut! :mrgreen:
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von campari »

Bernd hatte mittlerweile erfolgreich Frau Findeisen aktiviert. Selbst nach mehreren gezielten Hinweisen stritt diese ab, Teil einer Veranstaltung in Most im Mai 2014 mit Regen, Pfeffi und einem sehr gemütlichen Zelt gewesen zu sein. Ich wusste es besser. Denn ich hatte Beweise. Wer suchet, der findet. Ich hatte ihr, als sie - immer noch erinnerungssuchend - in die Box kam, auf meinem Wischbrettchen den passenden Fred dieser hochehrenwerten (auch, wenn ich dazu schon absolut Gegenläufiges gehört hatte) Plattform vor die Nase. Schlussendlich erkannte sie ihr Moped, sich selbst und, dass sie Erinnerungslücken hatte.

Nicht schlimm. Wir hatten uns ja wieder 8)

Und so stand neben einem weiteren Einkauf in meinem "oh, je, diese-Straße-will-ich-aber-nicht-im-Dunklen-fahren-und-wie-peinlich-das-mit-der-Kasse"-LIDL ein Besuch in einem Restaurant schräg gegenüber auf dem Programm. Ein Abendessen mit Kindschaft musste ich daher ausschlagen. Ich hätte sie auch mitgenommen, aber ihr Stellplatz lieferte All Inclusive. Ich bot stattdessen dem Herrn schraubär die optionale Sitzerhöhung auf der Rückbank an. Bernd nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Ich fuhr also abermals diese Straße. Und abermals dachte ich "hier möchte ich aber nicht im Dunklen herfahren". Es seufzte. Heute hätte ich da nicht viel Wahl. Wir parkten gemütlich beim LIDL. Aber irgendwann, zwischen Milchregal und Getränkeabteilung, war Bernd verschwunden. Wir sahen überall nach, aber er war nicht aufzutreiben. Er hatte sich verpieselt. Stolz legte ich meine Einkäufe auf das Band. Heute würde keine Kassiererin meinetwegen aufstehen müssen. Als ich sie angrinste, grinste sie zurück und wir fingen beide an, zu lachen. Peinliches ist auch immer irgendwie lustig. Optimalerweise für alle.

Dann fanden wir uns, inklusive Bernd, mit den zwei lang nicht mehr Gesehenen auf einer sehr ansprechend eingerichteten Restaurantterrasse zusammen, bestellten ein ordentliches Essen und hatten viel Spaß.

Schade. Ich würde diese äußerst angenehme Gesellschaft bald aufgeben müssen.
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von campari »

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen, Sonnenschein!

In meiner Kemenate kündigte sich mein unumstößlicher Aufstehzeitpunkt an. Es knackte und knisterte. Die Wärme strahlte von der sich aufheizenden Polyesterwand nach innen ab, und es war fast wie beim Osterfeuer. Merke: beim nächsten Mal nicht den schwarzen Anhänger kaufen...Es sollte heute noch wärmer werden als gestern. Und gestern hatten wir es schon ausreichend warm. Auf meiner Wäscheleine (Spanngurt vom Anhänger zum Außenspiegel des Nachbarn) war alles, was ich triefnass aus der Dusche mitgebracht hatte, innerhalb von Minuten getrocknet.

Tag vier von sieben (wer hat sich das bloß ausgedacht). Heute Rennen. 600er. Dann fangen wir mal früh an, um zumindest den Vormittag noch gut mitnehmen zu können. Grummelnd mache ich mir einen Kaffee. Wer hat sich das bloß ausgedacht. "Hoffentlich kommt nicht wieder so ein Honk, der mir die Kurve verstopft," denke ich, während das Gelbe vor sich hin warmläuft. Und das Rennen, dass musste ich unbedingt fahren. Endlich freie Runden und Inspiration von den vorderen Plätzen. (das war zumindest der Plan)

Shit. Turn 1 ist voll. Und auch ein bisschen mit Honks, die die Kurve verstopfen. Zum Glück nicht der Henning. Als ich endlich Platz habe: 2:17

Wehmütig dachte ich an die Zeiten zurück, wo ich noch 10 Sekunden vom einen Tag auf den anderen weggeschlafen habe. Einfach am zweiten Tag aufstehen, Helm zuklappen, fahren, voilà: schneller.

Ich musste mich damit abfinden, dass diese Verbesserungen prozentual waren und ich vor Jahrzehnten einfach zu viel Absolutzeit als Basis mitgebracht hatte. Herr Bühn, der würde mir schon die richtige Ansage verpassen. 2:15...machbar!

Als ich die Malheurfelge zum frühzeitigen Versand nach Lübeck zur Zugewinnwagenburg bringe, muss ich gar nicht viel fragen. Den Henning hatte ich auch nicht auf der Strecke getroffen, weil die R1 nicht anspringen wollte. Vermutlich Selbstschutz. Schade, ich wollte doch heute noch mehr schneller sein als er. Einfach, weil ich es kann. :mrgreen:

Also bleibt mir wiederum nur schneller zu sein als ich selbst.

Klappt nicht. Turn 2 liefert einfach nicht. Und weil ich noch, mit einem relativ alten Reifen, ein Rennen fahren wollte, und es nicht kühler werden würde, entschloss ich mich zu einer langen Pause.


Es wurde definitiv nicht kühler. Wir hatten schon die 35°C überschritten. Der Wind, den ich so hasste, war unser Segen. Die Bäume um die Rennstrecke herum hatten noch etwas Feuchtigkeit in sich, so dass der Wind immer angenehm frisch war. Und die Box gab Schatten.

Ich schlurfte hin und her. Das Rennen war mit stehendem Start. Eigentlich war hier nicht die Frage ob das peinlich würde, sondern wie peinlich.
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Re: Alleinreisend - Alles anders

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Beitrag von campari »

High Noon. Die Menschen haben sich in ihre Behausungen verkrochen. Eine seltsame Stille wabert durch die Gassen. Durch diese Stille stapft eine blonde Frau (in Unterwäsche) und schnauft. Sie muss ihre Aufgabe erledigen. Jetzt. Hier. Ohne ihre Hilfe, ohne, dass sie die essentiell wichtige Flüssigkeit bringt, wird es in der brütenden Hitze keine Leistung mehr geben. Mehrfach hält sie inne, um ihre schwere Last abzustellen und wieder zu Kräften zu kommen. Sie streicht sich mit dem Arm über die Stirn, um den Schweiß, der ihr längst in die Augen läuft und salzig beißt, abzuwischen. Dann schleppt sie sich weiter. Und schafft es mit ihren letzten Kräften in den rettenden Schatten.

Bisher hatte ich alle meine Benzinkanister an der Fahrerlagerzapfe vollgemacht und zur Box getragen. Never change a running system. Und ich war so froh, dass ich Kanisterdownsizing betrieben hatte, und dieser 10L-Polisport-Behälter so komfortabel zu transportieren war. Besser wäre noch ein Rollfiffi gewesen, den man an einer Leine hinter sich herziehen kann. Aber ich war ja zwecks Sport hierhergekommen und hatte extra viel Quark gegessen und was sollte das alles, wenn niemand meine schönen Arme, und wie stark ich war, sehen konnte.

Die Box war meine Rettung. Immer wieder war abwechselnd Mädchen oder Junge mit E-Roller vorbeigekommen und hatte ein spontanes "oh, hier ist das schön kühl" oder "echt gut mit der Box" fallenlassen. Kindermund tat Wahrheit kund. Dieser teure Boxenspass half mir, diese Wahnsinnswoche bestmöglich zu überstehen. Und ich hatte meine Freude an den beiden Herren, die mittlerweile sowas wie meine Besties geworden waren.

Aber was war das? Still und heimlich hatte Bernd den Tisch weggeräumt. Natürlich hatte er dem Herrn schraubär vorher noch ein versprochenes Mittagessen zubereitet. Toast mit Krempel vom Kontaktgrill. Bernd. Ein Weltklassemann. Hielt seine Versprechen und konnte sogar kochen. Ich war ein bisschen neidisch auf wen auch immer. Aber nur ganz generell. Konkret wollte ich nichts essen. Das fehlte noch...im Suppenkoma den Startplatz nicht finden.

Für mich war es Zeit für mein Proteinkaffeegetränk. Wunderwaffe. Schnellfahrpudding hatte ausgedient bei diesen Temperaturen. Und während ein Schluck nach dem anderen durch meine Kehle hinunterlief, stieg langsam aber sicher die Nervosität hoch.
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