@John`ek:
Hallo Dir Wilder,
Also ein paar Deiner Fragen kann ich etwas entschärfen und beantworten.
Zum Base-Jumpen, der Königsdisziplin was Fallschirmsprünge angeht bedarf
es, wie du schon sehr richtig erkannt hast, einer sehr großen Erfahrung
in dem Sport, vorallem die Freifallerfahrung ist lebenswichtig. Beim Sprung
aus dem Flugzeug hast Du ja bereits durch den Fahrtwind Anströmung am
Körper. Beim Base´n fällst Du ja erstmal ohne Eigengeschwindigkeit und
ohne Anströmung wie ein nasser Sack.(Auch wenn das auf den Video´s so
leicht aussieht, ist es aber nicht.Das siehst Du oft , wenn Laien einen Bungee-
sprung machen, wie unkontrolliert die die ersten 20 mtr. purzeln)
Ich habe mir meine Voraussetzungen fürs Base-Jumpen wann immer möglich
bei Sprüngen aus dem Heißluft-Ballon erarbeitet. Da stehst Du ja eigentlich
auch in der Luft und fällst die ersten 3 bis 5 Sekunden auch völlig ohne
Anströmung.(Nur einen Tandemsprung aus dem Ballon mit meiner Frau vornedran, den
konnte ich leider nie machen. Das wär die Krönung gewesen.

)
Dazukommt noch, daß die Freifall-Phase meistens sehr nah an der Häuser-Fassade, bzw. der Felswand entlang geht. Höchste Lebensgefahr !
Deßhalb "Tracken" die Springer auch meistens in der letzten Flugphase
mit angelegten Armen und ausgestreckten Beinen (dies erzeugt trotz
Fallens auch eine Vorwärtsbewegung), eine Haltung ähnlich der Skispringer, dabei wird mit dem Körper quasi ein Tragflächenprofil simuliert um Vortrieb zu erzeugen, damit man von der gefährlichen
Felswand wechkommt.
So, zur Statistik ist zu sagen, daß Sport-Springen, ganz normal aus dem
Flugzeug, mit Lizenz, oder Tandem-Springen, mit zu den sichersten
Sportarten zählt.
OK, man braucht ein hohes Fachwissen, ne exzelente Ausbildung und viel
Übung, Disziplin und gesunde Selbsteinschätzung um dabei alt zu werden.
Und nüchtern und ohne Joint sollte es auch gehen.
In modernen Fallschirmsystemen ist ein Öffnungsautomat eingebaut, der,
wenn notwendig, in letzter Sekunde den Reserveschirm aktiviert, damit
man nicht einschlägt.
Soche Systeme sind in den Tandemschirmen ebenfalls vorgeschrieben.
Auch hat der Tandem-Master zwei identische Schirme hinten in seinem
Gepäck. Der Reserveschirm ist also exakt der Selbe wie der Hauptschirm.
Das Packen sieht für einen Laien sehr wild aus, ist aber keine Hexerei.
Vorausgesetzt man ist Herr seiner Sinne, arbeitet konzentriert, hat gutes
Material und spart nicht am falschen Fleck.
Ich selbst habe die Packer-Lizenz auch gehabt, habe z.B. die Reserve-
schirme für die Schüler,Tandem´s, und andere Lizenz-Springer auch
gepackt, und verplombt. Kann man alles lernen.
Wenn man in dem Sport Angst hat, seine fehlerhaft geöffnete Haupt-
kappe wegzuschmeißen und den Reserveschirm zu ziehen sollte man
lieber Motorrad fahren, oder Hallen-Schach spielen, oder sonst was
lustiges tun. Etwas Vertrauen ins eigene Können und ins Material muss
bei aller Vorsicht schon da sein.
Macht man alles richtig, passiert normalerweise auch nix schlimmes.
Ich selber hab fast 2000 Sprünge gemacht, ohne eine einzige Reserve.
OK, manchmal hat das Paket das oben rausschoß nur im entferntesten
Ähnlichkeit mit einem Fallschirm, aber ich konnte immer alles vor Ort
reparieren,beheben,steuern, um-tütteln, .......jedenfalls flog die Kiste
immer wieder.
Da ich ja selber leidenschaftlicher und verrückter Mopped-Fahrer bin
versteh ich Eueren Drang nach Speed und Aktion nur zu gut. Aber
zynden ist Kindergeburtstag gegen das raushüpfen mit dem Tandem.
Mit Transponder nachgewiesene Beschleunigung mit einem durch-
schnittlich 80 Kilo schweren Passagier ergab bei der Messung:
Null auf 300 !!!!!! in lustigen FÜNF Sekunden !.
Wenn man dann einen erfahrenen Passagier vornedran hat( so wie ich
das Glück mit meiner Frau hatte), wo man nach den ersten fünf Sekunden
nicht direkt den Droque-Shut (das ist der kleine Stabilisierungsschirm, der
oben über einem schwebt, während des Freifalls) zieht, sondern sich mit
Passagier im Freifall auf den Kopf stellen kann, hat man nach weiteren
fünf Sekunden fast die 400 km/h Grenze erreicht.
Dann muss man aber wirklich den Bremsschirm setzten, weil das fürs
Material eine abartige Belastung ist, und der Passagier schlicht und einfach
keine Luft mehr kriegt.
Mit diesem Schirmchen(Luftanker) fällt man normal mit ca. 200 km/, also
realistisch ca. 50 Sek. im Freifall und feuert dann (nur beim Tandem in
dieser Höhe) in 1500 mtr. Höhe die Wäsche an den Himmel.
Solospringer sollten ca. bei 700 bis 600 mtr. ziehen, damit noch Platz für
die Reserve bleibt.
Base-springer oder sonstige Scherze mit dem Schirm (Mein Münchner
Olympiaturm-Hüpfer war aus 170 mtr und direkt neben den Scheiben
des Drehrestaurants die Wäsche rausgeworfen) finden natürlich vieeeel
tiefer statt.(Gottseidank sind meine ganzen Straftaten und Verletzungen
des Luftrechts längst verjährt.)
Ich kann Dir abschließend nur raten, geh zu nem großen Springer-Club,
die auch ne große,leistungsstarke Turbinen-Maschine haben, lerne den
oder die Tandemmaster dort persönlich kennen,sind alles feine Jungs.
Und lass Dir so einen Sprung z.B. zum Geburtstag schenken, oder in-
vestier das Geld. Es lohnt sich auf alle Fälle und ist einfach nur Klasse.!
Sorry, ich bin abgeschweift, und hab mich jetzt festgequatscht und zu
viel geschrieben. Aber das Thema ist so facettenreich,interessant und
sehr mit dem Aufzynden "Seelenverwand" daß es eigentlich in das Forum
passt. Ich bin jetzt aber ruhig, eigentlich will ich ja von Euch viel übers
Mopped-Rennfahren lernen und selber mal ausprobieren.
Fallschirmspringen kann ich aus gesundheitlichen Gründen nimmer.
(Meine Frau ist froh !)
Ich hoffe ich konnte bissi Info rüberbringen..........
bis denne..........
Gas ist Rechts, und Gravitation ist immer unten!
Zzettie
Ich bin zu schlecht für eine Signatur.